Erkenne dich selbst

Dieses Bild aus dem ehemaligen Waisenhaus in Budapest, welches von Emmi Pikler geleitet wurde, ist für mich eines der wichtigsten Fotos überhaupt.
Das Kind entdeckt seine Hand. Es erkennt, dass diese zu seinem Körper gehört und mit viel ausprobieren, üben und nochmal ausprobieren lässt sich die Hand willentlich führen. Was für ein Wunder! Wie wichtig und bedeutungsvoll ist diese Entdeckung! „Das bin ich! Das gehört zu mir! Ich kann es bewegen….und – oh! Es gibt zwei davon…zwei Hände! Die lassen sich zusammen führen. Oder ich kann sie in den Mund nehmen, mich spüren, mich kennenlernen….“ Weiterlesen „Erkenne dich selbst“

In Gedenken

Das Leben ist wie Schnee – du kannst es nicht festhalten.
Ein Trost ist, dass du warst.
Stunden,
Tage,
Wochen,
Monate.“
Hermann van Veen

Heute ist der internationale Gedenktag für Kinder, die während der Schwangerschaft oder bei/kurz nach der Geburt verstorben sind.
Meine wären jetzt wohl schon in der Volksschule. Wie wäre unser Familienleben mit mehr als zwei Kindern? Ich werde es nie wissen. Obwohl ich sie ganz früh in der  Schwangerschaft verlor, ist es dennoch so, dass ich an diese Wesen denke. Nicht immer, Aber immer wieder.
Sie waren zu Besuch und es ist Teil des Lebens, lernen anzunehmen und loszulassen. Eine herausfordernde, lebenslange Aufgabe!
Froh bin ich, dass es in der Gesellschaft langsam, ganz langsam für das Thema Sternenkinder mehr Offenheit und Bewusstsein gibt.
So hat die IG-Geburtskultur von A-Z gerade in ihrem Newsletter die neue Plattform für Betroffene vorgestellt.

mein-sternenkind.net

„Auf dieser Seite findet sich eine Österreichlandkarte, auf der für jedes Bundesland gesammelt und übersichtlich zahlreiche Ansprechpersonen und Unterstützungangebote leicht gefunden werden können.“ So heißt es im Newsletter.

Uncool?

Sohn:“Ich bin das schwarze Schaf in der Klasse.“
Mutter:“Wieso?“
Sohn:“Na, weil ich kein Handy habe.“
Mutter:“Hmm…stört dich das arg?“
Sohn:“Nein, mich stört nur, dass sie denken, ich hab keine Ahnung. Obwohl ich mich genauso auskenne, aber ich zocke halt nicht ständig oder hab ein Handy in der Hand. Die meinen, nur dann ist man cool.“ Weiterlesen „Uncool?“

Sandkastenzeit – oder Kindheit auskosten

Was würde unser Sandkasten erzählen, wenn er sprechen könnte? Wie viele unzählige Stunden, ja Tage hat vor allem unser Herr Sohn in diesem mit Holzbalken begrenzten Viereck verbracht? Und wie viel von diesem Sand ist durch das Spielen (leider) auch überall in unserer Wohnung verteilt worden?!?!
Als unser Sohn ein Jahr alt war, haben wir im Garten ein Loch von gut einen halben Meter ausgehoben, ein Vlies eingelegt, Holzbalken zusammen geschraubt und das Ganze mit ausreichend Sand gefüllt. Nun  – elf Jahre später –  ist der Sandkasten immer noch in Gebrauch.

Egal bei welchem Wetter, unser Herr Sohn gräbt und gräbt. Er baut Burgen, verlegt Rohre, füllt unzählige Gießkannen mit Wasser in den Sand, arbeitet mit Baggern, Walzen und Lastwagen und findet scheinbar immer wieder neue Ideen für Bauprojekte, die er umsetzen möchte. Weiterlesen „Sandkastenzeit – oder Kindheit auskosten“

Plädoyer Fürsorge

Mich um meine Kinder zu kümmern war und ist für mich etwas sehr erfüllendes, wertvolles und lehrreiches. Von Anfang an war mir klar, dass ich sie nicht in eine Einrichtung geben möchte, bevor sie in den Kindergarten kommen. Die Zeit zuhause mit ihnen, ohne Termine und Pläne wollte ich mir nicht nehmen lassen. Ich war und bin mit Leib und Seele Mama. Dass ich mich dafür hin und wieder rechtfertigen musste, ist mir mehr als übrig. Ich möchte in meiner Entscheidung, Zeit in die Fürsorge meiner Kinder investiert zu haben, respektiert werden.

Der Alltag mit Kindern ist nicht immer ein Honiglecken. Auch wenn wir uns um ein älteres oder krankes Familienmitglied kümmern, ist dies oft eine große Herausforderung. Dennoch glaube ich, ist die Fürsorge, die wir anderen Menschen, Lebewesen – ob klein oder groß, ob gesund oder krank – zukommen lassen, etwas sehr essentielles! In der Sorge für jemanden – in der Fürsorglichkeit, zeigen wir unser Mitgefühl, zeigen wir unsere Beziehungsfähigkeit und genau genommen auch die Fähigkeit für uns selbst Sorge zu tragen.
Fürsorge braucht Zeit und Geduld. Es geht nicht darum, irgendwelche Pflegehandlungen zu erledigen. Für mich bedeutet Fürsorge, dass wir uns um einen anderen Menschen, um ein anderes lebendes Wesen, so kümmern, dass es dem Wesen entspricht. Mit Hingabe und Bewusstheit für dessen individuellen Bedürfnisse. Weiterlesen „Plädoyer Fürsorge“

Frieden für die Welt

„Der größte Beitrag für den Weltfrieden ist,  in sich selbst Frieden zu schaffen.“

Von wem dieses Zitat ist, weiß ich leider nicht.
Es klingt einleuchtend. Angesichts der derzeitigen Situation ist das aber alles andere als einfach.
Als Mama ist es für mich sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr schwer auszuhalten, was da gerade alles passiert.

Ich möchte, so wie bestimmt alle Eltern, dass unsere Kinder in einer friedlichen Welt groß werden dürfen!
Die Gefahr, dass ich mich in Angst und Sorgen verliere ist da. Aber  das macht die Situation nur noch schlimmer, unerträglicher.  Ich denke viel an meine Großmutter, die mit 8 Jahren Vollwaise war, fünf Kinder bekam von denen nur zwei älter als 18 wurden und zwei mal verheiratet war. Sie hat zwei Weltkriege miterlebt.
„Großmama“ wie sie von uns allen genannt wurde, lebte von 1895 bis 1999  – sie wurde fast 104 Jahre alt, war bis zuletzt geistig wach und immer gut aufgelegt. Sie starb bei uns zuhause. Meine Mutter und ich pflegten sie in ihren letzten beiden Lebensmonaten. Ich war bei ihr als sie starb. Sie zu kennen, sie zu begleiten auf ihrem letzten Weg war und ist für mich ein großes, wertvolles Geschenk.
Also versuche ich mich an Großmamas Lebensmut zu orientieren, mich gut am Boden zu verankern und den Frieden in mir und um mich zu leben.

Frieden in dieser Welt.
Frieden an diesem Ort.
Frieden in diesem Haus.
Frieden in jedem von uns.
Frieden in mir.

Unsere Kinder, schon fast zwölf und schon fast zehn, bekommen in der Schule so einiges (ungefiltert) mit, was diesen Krieg in der Ukraine betrifft. Es beschäftigt sie natürlich auch sehr. Viele Fragen nach dem Warum und Wie kann ich gar nicht beantworten. Das Ganze ist so komplex. Außerdem verstehe ich ja selbst nicht genau was in den agierenden Personen vor sich geht, wie es so weit kommen konnte geschweige denn, was hier ein möglicher Weg aus dieser verfahrenen Situation wäre.
Wenn schon wir Erwachsene nicht wissen, wie wir diese Situation gut, friedlich und bald lösen können, wie geht es den Kindern und Jugendlichen wohl damit?

Unseren Kindern war es ein Anliegen, ein Zeichen zu setzen, sichtbar zu machen, wie wichtig ihnen als Kinder der Frieden ist. So entstand das große Friedenszeichen auf der Straße.  Wie sehr ich hoffe, dass es wirkt. Dass es den harten Asphalt durchdringt, weiter wirkt durch die Steine und bis tief in die Erde und durch die Erde rundum den ganzen Globus!

„An den Frieden denken heißt, an die Kinder denken.“

Michail Gorbatschow

Das sagt eigentlich alles, oder?

Der Ernst des Lebens?

„Kinder sollen das Leben ernst nehmen, sagt man. Dabei sollte gerade das Spielen ernst genommen werden.“
Arno Stern

In der Kiste im oberen Bild „lebten“ zu Beginn meines Angebots „Kistenspiele für 4-8 jährige Kinder“ nur Eisbären, Pinguine und Robben.  In einer Holzkiste bot ein blaues Plastiktischtuch das Meer und etliche ungleich zugeschnittene Styropor-Stücke dienten als Eisschollen. Als die Kinder, die einmal in der Woche zum Spielen kommen, die Kiste entdeckten, waren sie begeistert und stellten die Eisbären und Pinguine auf Eisschollen, die sie im Kistenmeer platzierten. Doch sogleich wurde ihnen bewusst: Eisbären!!! Die fressen doch alle anderen Tiere hier auf! Das geht nicht! Die Eisbären müssen in die Eishöhle. Also bauten sie mit Styropor eine Art Käfig aus Eis für die Eisbären, damit die Robben mit ihren Robbenkindern und die Pinguine im Meer frei herum schwimmen konnten. Die Kinder fanden aber nicht in ein Spiel, weil die Sorge um Robben und Pinguine trotz eingesperrten Eisbären einfach groß war – die Eisschollenhöhle konnte nicht so gut und sicher gebaut werden, dass die Eisbären wirklich ungefährlich erschienen.
Ich bot den Kindern an, bis zum nächsten Mal Fische zu basteln, um den Eisbären und auch den anderen Tieren Nahrung zu bieten. Diese Idee fanden sie gut und erleichternd!

Beim nächsten Kistenspiel-Termin hatte ich also etliche selbstgebastelte verschieden große Fische aus Fimo bereit gestellt. Die Kinder fanden nun aber diese Fische zu schön und so durften die Fressfeinde der Fische sich immer nur ganz kurz an die Fische heranwagen, bevor sie vor allen in Sicherheit gebracht wurden. Nun mussten nicht nur die Robben und Pinguine in Sicherheit gebracht werden sondern auch noch die Fische! Auf meine Frage, was es denn brauchen würde, damit sich hier alle im Meer wohl fühlen, meinten die Kinder, es wäre gut, wenn im Meer Wale schwimmen würden. Also – holten wir aus dem Kasten die Wale und ließen sie in die Eismeerlandschaft. Jetzt durften endlich alle Tiere auf den Eisschollen und im Meer herumtollen, ohne dass sich die Kinder große Sorgen machten – ihr Spiel veränderte sich, wurde freier, fließender…

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Zeitfenster Hoffnung

Dass es auf dem Planet Erde gerade turbulent zugeht, das muss ich euch nicht sagen. Dass mich das sehr viel beschäftigt und ich damit bestimmt nicht alleine bin, ist auch eine Tatsache. Als Elternteil, als Mensch, als mitfühlendes Wesen ist es mir alles andere als egal, wie wir leben, handeln und damit alles auf dem Globus beeinflussen. Manchmal finde ich es mehr als zum Verzweifeln, wenn ich von all der Zerstörung und dem Leid höre, lese, erfahre, welches wir Menschen mit unserer Gier unserem Konsumwahnsinn und unserem Machtstreben verursachen. Wie soll das nur alles weiter gehen? Wie können wir unsere Lebensgrundlage, die Natur mit all ihren Wesen, retten, schützen, wieder heil werden lassen? Wie können wir uns aus diesem Hamsterrad von immer weiter, schneller, höher befreien, um wieder in Verbindung zu kommen mit den Wesensarten, die unser wahres menschliches Potential zur Entfaltung bringen. Das menschliches Potential, welches ausgezeichnet mit viel Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit  und Mut genug zu bieten hätte, um daraus lebensdienliches Verhalten wachsen zu lassen!

Von Zeit zu Zeit merke ich, dass mich die vielen Nachrichten über Klimakatastrophe, Kriege, Hungersnot usw. wirklich deprimieren und ich mich mit Sachen beschäftigen muss, die mir wieder Hoffnung geben. Ich stieß im Internet auf einen Vortrag von Joachim Bauer, der über sein Buch „Fühlen was die Welt fühlt“ referierte. Nun habe ich das Buch gelesen  und zum Glück in der Bücherei noch ein anders gefunden, welches mir wieder den Boden unter meinen Füssen  festigte: „Das Buch der Hoffnung“  von Jane Goodall und Douglas Abrams . Weiterlesen „Zeitfenster Hoffnung“