Wald

Ich war gestern mit den Kindern seit langem wieder einmal auf einem Spielplatz. Allerdings nur kurz. Ungefähr fünf Minuten. Länger hielten wir es nicht aus.

Wenn so viele Kinder mit Eltern oder Großeltern herumschwirren wird es meinen Kindern gleich zu viel. Sie schauen nur zu oder wollen erst gar nicht näher als 50 Meter an die Spielgeräte heran gehen.

Und ich selbst? Ich stehe auch nur blöd da und weiß nicht was mit mir anfangen.  Irgendeine Mama anquatschen, die ich manchmal im Supermarkt sehe? Nein, das mag ich nicht, small-talk ist überhaupt nicht meins.
Wenn ich dann auch noch mit bekomme, wie manche Kinder von den Erwachsenen behandelt werden, spüre ich den unwiderstehlichen Drang, sofort den Spielplatz zu verlassen.
Ich halte das nicht aus, wenn einjährige Kinder von überängstlichen, rauchenden Müttern beschimpft werden, nur weil sie ein Schaukelpferd selbst bestiegen haben und dann Siegessicher oben sitzen.
Mir tut es weh zu sehen, wie die Kleinen hundertmal „Mama“ rufen und keine Antwort bekommen, weil die Mama ins Handy schaut.
Und wenn die Mama dann mal kurz aufschaut, bekommt das Kind nur ein äußerst ungeduldiges „Was?!“ zu hören, woraufhin der Blick der Mutter sich abermals auf das Handy fixiert und das Kind von vorne mit der „Mama“-Ruferei beginnt.

Ich weiß, ich kenne die Hintergründe dieser Eltern nicht. Jeder hat seine Geschichte und ich habe nicht das Recht, sie zu beurteilen.

Natürlich gibt es auch Spielplätze auf denen die Kinder und ich uns wohl fühlen.
Sich mit einer Freundin und deren Kindern auf dem Spielplatz zu treffen, tut zwischendurch auch gut.
Aber wenn ich meine Aufmerksamkeit zu viel nach Außen gerichtet habe, brauche ich dringend Zeiten, in denen ich nicht ständig reden, zuhören, mitdenken, überlegen muss. Dann habe ich genug davon, mich abgrenzen zu müssen, weil ich diese „Spielplatzatmosphäre“, den Umgang zwischen Kindern und Erwachsenen, als zu grob empfinde.

Dann ist es für mich eine Wohltat, wenn wir in den Wald gehen.

Der Wald bietet für meinen Geschmack eine besonders gute Mischung an Grenzerfahrungen, Kreativität, Abenteuer, Bewegungsmöglichkeiten und Entspannung.

Ich liebe es, mit meiner kleinen Familie kreuz und quer durch den Wald zu laufen, denn…

  • da ist das Baumstamm-Krokodil, dem wir immer mit Steinen „Zähne“ in sein großes Maul legen
  • da sind die verschlungenen Pfade mit Hindernissen aus großen Steinen oder umgestürzten Bäumen, die wir überwinden müssen
  • da ist der Teich, mitten im Wald – voller Wasserläufer und anderer kleiner Lebewesen
  • da ist der Hügel, über den wir klettern müssen, um zur Ach zu gelangen
  • wir finden Vogeleier, beobachten Eichhörnchen (die wagemutig von Baum zu Baum springen und sogar hin und wieder den Sprung falsch berechnen und – oh Schreck – auf dem Boden vor uns landen!)
  • da sind die Wasserlachen vom letzten Regentag, die mit Gummistiefeln durchwatet werden müssen
  • da ist der Graben, den die Kinder noch tiefer buddeln  – weil es einfach Spaß macht
  • wir sammeln besondere Rindenstücke, Steine oder Nußschalen und entsorgen den Müll (der leider überall zu finden ist) im ersten Müllkübel, den wir beim Rückweg finden

Wenn wir in den Wald hinein gehen, wissen wir nicht, was uns diesmal erwartet.
Welche Tiere wir entdecken, welche Wege wir beschreiten, wie das Licht durch die Bäume fällt, ob es Streit darüber gibt, wer vorne gehen darf, ob sich jemand beim Klettern verletzt und wie dreckig wir nach Hause kommen.
Wir sind weg von Häusern, Straßen und Alltagsgeräuschen.
Wir sind mitten in der Natur und sind uns selbst ganz nah.
Wir sehen und hören einander ganz bewusst. Und das hat eine besondere Qualität.
Nach diesen Waldspaziergängen bin ich viel ausgeglichener  – und die Kinder auch.

Weil ich …

  • während der Zeit im Wald ganz präsent war
  • im Hier und Jetzt
  • nicht durch Verkehrslärm oder andere unnatürliche Reize abgelenkt war
  • mich in den Hintergrund des Geschehens stellen konnte
  • die Kinder dabei beobachtete, was sie alles entdeckten – ohne darauf hingewiesen zu werden
  • einfach nur mit meinem Interesse an der Natur dabei war
  • für mich zur Ruhe kommen konnte
  • mich von der Schönheit, Wildheit, Klarheit der Natur berühren ließ

Und das ist sehr wohltuend.

Wie geht es euch damit? Spürt ihr diese Qualitätsunterschiede? Wo haltet ihr euch gerne mit euren Kindern auf, um für euch zur Ruhe zu kommen und den Kindern Möglichkeiten für ausgelassene Bewegung und Spiel zu bieten?

 

 

 

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