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Loslassen – Vertrauen – Klarheit

Kinder kommen ganz ohne Betriebsanleitung, ohne „Eingewöhnungsphase“ für uns als Eltern in unserem Leben  an. Vom ersten Tag an stellen sie vieles auf den Kopf, einiges in Frage, manches werfen sie über den Haufen und sie lassen kaum einen Stein auf dem Anderen. So in etwa fühlt es sich jedenfalls beim ersten Kind an.
Als Eltern stolpern wir meistens ihren Entwicklungsschritten hinter her. Wenn wir in einer ihrer Entwicklungsetappen „angekommen“ sind, sind sie bereits auf dem Sprung in die Nächste. Kein Wunder, dass uns die Begleitung dieser Wesen sehr fordert  und  wir uns manchmal sehnlichst nach einem Rezept „So gelingt Eltern-Sein“ sehnen. Aber wie bei allen großen Aufgaben des Lebens gibt es auch hier nur den Weg mitten hinein, mitten durch. Dabei sein, da sein, staunend, offen und  gnädig mit uns selbst.
Mir hilft es, das Eltern-Sein mit Blick auf das Große Ganze im Leben zu sehen.

 

Und da stehen für mich immer wieder die drei Worte Loslassen, Vertrauen und Klarheit im Raum.

LOSLASSEN:
Das beginnt schon mit dem Durchschneiden der Nabelschnur. Vielleicht aber auch schon vorher. Diese Wesen, die da in unser Leben kommen, gehören uns nicht. Sie gehören dem Leben selbst. In der Begleitung der Kinder gilt es so viele Erwartungen los zu lassen, so viele Vorstellungen und Überzeugungen, die uns scheinbar  wichtig erschienen. Auch Ängste, Bewertungen und Meinungen, die uns den Zugang zu einem echten in Beziehung sein mit unseren Kindern verwehren, dürfen wir üben los zu lassen. Wir können Kinder  nicht festhalten. Sie wachsen heran und in ihr eigenes, selbständiges Leben hinein. Sie brauchen es, unabhängig von uns zu sein, um ein erfülltes Leben leben zu können. Ohne dass wir sie loslassen geht das alles nicht. Dafür braucht es aber ein wesentliches Gefühl:

VERTRAUEN:
Ohne dass wir dem Leben,  unseren Kindern und ihren inneren Entwicklungskräften vertrauen fällt uns das loslassen schwer. Wir sind eingeladen, den Kindern das Leben zuzumuten, zuzutrauen. Und uns selbst auch. Das Leben ist keine Generalprobe, so vieles kann passieren, schief gehen, usw. Trotzdem im Vertrauen zu bleiben, ist wahrlich keine leichte Sache und doch ist es meiner Meinung nach so essentiell um mit Gelassenheit, Leichtigkeit und Freude im Leben präsent zu sein. Um im Vertrauen bleiben zu können, braucht es eine gewisse geistige Ordnung:

KLARHEIT:
Die Klarheit darüber, was mir im Leben wirklich wichtig ist, was mir Sinn gibt, ermöglicht viel Halt  und dadurch auch Vertrauen.  Es ist ein gutes Gefühl der Bodenhaftung, wenn meine Werte mir Orientierung geben. Klarheit ermöglicht einen Rahmen, in dem Begegnung und Beziehung statt finden kann. Unklarheit verwirrt, verunsichert, kostet Energie und lässt mich nicht ins Vertrauen kommen.

Durch die Klarheit  kann ich stabile, gute Wurzeln bilden, die mich im Leben verankern. Wurzeln, die das Vertrauen nähren, aus dem ein Stamm wächst, der  sich in die Höhe streckt. Ein Stamm, der stabil und fest ist. Wurzeln und Stamm, die mir die Kraft schenken, auch stürmische Zeiten durch zu stehen (und die gibt es ja in der Begleitung der Kinder hin und wieder). Das Wissen um die gute Verwurzelung und den stabilen Stamm erlauben auch ein Loslassen der Früchte und Blätter in den weit verzweigten Ästen, wenn die Zeit reif ist. Äste, die die Vielfalt des Lebens mit all den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten symbolisieren.Denn im Wissen darum, dass auf jeden Winter ein Frühling folgt, können wir das Loslassen auch als Tor für einen Neubeginn sehen. An jedem der Äste wachsen neue Blätter, Früchte, Verzweigungen…
In der Begleitung von Kindern bedeutet das für mich, dass wir  mit jedem Schritt in die Selbständigkeit der Kinder,  ein Stück Freiraum geschenkt bekommen.

 

Wenn wir loslassen, haben wir die Hände (die Äste)  für Neues frei.
Ich hoffe, dass auch euch dieses Bild in eurem Alltag mit den Kindern unterstützt.

Stehen mit der Erde

Jeden Freitag eine halbe Stunde stehen. Stehen für was? Wozu? Für wen?

Stehen, mit allem was da ist.
Im Bewusstsein über die Schönheit der Natur und allem,
was sie uns schenkt.
In Verbindung mit dem Boden der dich trägt. In der Wahrnehmung von all der Zerstörung, dem Leid und dem Lärm.
Stehen und da sein, wie ein Baum und in die Tiefe wirken, wie die Wurzeln und weit hinauf in den Himmel sich weiterdenken, wie die Zweige und Blätter.
Da Sein. In Stille. Da sein. In der Wahrnehmung des Schweren und des Wunderschönen auf dieser Erde.
In Verbindung sein und
in Solidarität mit der Erde,
mit allen lebenden Wesen,
stehen.

 

Komm auch und stehe mit uns – für die Erde – mit der Erde!   StandingWithTheEarth

Offenes Spielmaterial

Zunehmend sind Kinder schon in ganz frühem Alter von klar strukturierten Spielmaterialien umgeben. Wir wählen die Spielsachen bewusst aus – pädagogisch wertvoll sollten sie sein, die Kinder in ihrer Entwicklung fördern und unterstützen.  Wir schauen  als Eltern, als Pädagogen genau, womit Kinder sich beschäftigen. Das Wichtigste scheint zu sein, dass sie  ja auch was dabei lernen, oder?

Ihr merkt schon – jetzt kommt ein ABER!
Aber – was ist mit der Einschränkung, die diese strukturierten Materialien in sich bergen? Meist haben sie einen klaren Anfang und ein unausweichliches  Ende. Es gibt eine definierte Vorgehensweise und ein Ziel.
Kreativität, eigene Ideen und Lösungswege sind dagegen Mangelware. Einfach nur Tun ohne Zweck ist kaum möglich.
Also – her mit den Alternativen – mit den Materialien, die Kinder einladen, selbst wirksam zu sein, sich neu zu finden und sich neue Welten zu erschließen. Weiterlesen „Offenes Spielmaterial“

Ursachenforschung statt Symptombekämpfung

Warum ist es scheinbar einfacher, die Symptome eines Problems zu „bekämpfen“ statt nach den Ursachen zu forschen? Wahrscheinlich ist es so, dass wir zu wenig Mut und Kraft haben, um uns den emotionalen Schmerzen zu stellen, die zutage kommen, wenn wir tiefer schauen würden.

Spätestens wenn wir selbst Eltern werden, verändert sich unser Blick auf uns selbst, unsere Ursprungsfamilie und unser Umfeld. Wir sind mitunter konfrontiert mit familiären Verstrickungen, die zutage treten, weil wir als junge Eltern mit unseren Kindern andere Werte leben wollen und dies zu Unverständnis und Konflikten im Kontakt mit den Verwandten führt. Zudem hinterfragen wir vielleicht manche „Familiengewohnheiten“, die wir als Kinder und Jugendliche  als gegeben hingenommen haben und lösen dadurch in der Ursprungsfamilie Tumulte aus. Stehen wir als Eltern sowieso vor vielen neuen Entscheidungen im Umgang mit unseren Kindern, stellt uns das mögliche rechtfertigen Müssen unseres Tuns gegenüber Familienmitgliedern vor sehr große Herausforderungen. Mitunter ziehen wir uns ein wenig zurück, um Konflikte zu vermeiden, finden ausreden, warum wir uns nicht mit der Verwandtschaft treffen können, machen gute Miene zum „bösen“ Spiel oder schieben die Kinder als Puffer zwischen uns und die lieben Verwandten. Weiterlesen „Ursachenforschung statt Symptombekämpfung“

Weihnachten_24

Im Schweigen, in der Ruhe, in der  Stille,
lausche dem  Seelenklang, der deinen Weg begleitet.
Im Schweigen, in der Ruhe, in der Stille,
da tun sich Wege auf, den nächsten Schritt zu gehen.
Gila Antara

Schon bevor das Christentum Weihnachten „erfunden“ hatte, feierten die Menschen in der Mitte des Winters, genauer gesagt am 21. Dezember, ein Fest. Die Wintersonnenwende.

Die Menschen wussten, dass die Tage nun wieder länger wurden. Darin lag die Hoffnung auf den Frühling, den Neubeginn.

Das Wissen um den Kreislauf von Werden, Wachsen, Reifen und Vergehen half den Menschen, durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Im Rad der Transformation, durch das wir alle im Leben immer wieder schreiten, steht der Winter symbolisch dafür, dass wir uns einlassen auf die Krise. Dass wir uns einlassen, im Dunkeln zu sein, nicht zu wissen, wo uns die Verwandlung hinführen wird.

Alles ist noch in Veränderung begriffen. Wir sind gefordert, dies zuzulassen.

Die Ungewissheit darüber, wie unser Weg weitergehen wird. Die Ungewissheit darüber, welche Gaben wir aus der Dunkelheit schöpfen dürfen um mit neuem Mut im Frühling zu erwachen.

Weihnachten ist für mich das Fest des Lichtes, welches wieder zunimmt. Das Licht, welches uns auch in der Dunkelheit Orientierung gibt und uns leitet. Es ist nicht unbedingt das Licht im Außen. Es ist vielmehr das Licht in uns selbst. Unser innerstes Sein leuchtet hell, wenn wir inne halten und der Stimme lauschen, die in uns ist. Sie erzählt uns von unserer tiefsten Sehnsucht, unseren wesentlichen Bedürfnissen. Dieser inneren Stimme, diesem inneren Leuchten Raum zu schenken und so den Wandel einzuladen, der uns zu einer Entfaltung unserer Ganzheit führt, das ist Lebendigkeit.

Möge sich entfalten können, was in uns steckt. Das wünsche ich zu Weihnachten – euch und allen Wesen auf dieser Welt!

Unterstützend für unsere Prozesse sind Begegnungen, Gespräche, Texte, die uns Einblick geben und uns Verständnis schenken für uns selbst:

Alles beginnt mit dem Erwachen: dem Erkennen, was in uns und um uns herum real und authentisch ist und was nicht; dem Erkennen, wer wir sind und wer wir nicht sind; dem Erkennen, was unser Körper ausdrückt und unser Verstand unterdrückt: dem Erkennen unserer Verletzungen und unserer Gaben: dem Erkennen, was wir geglaubt haben und was wir tatsächlich schätzen; dem Erkennen, was wir nicht länger tolerieren und was wir jetzt akzeptieren können; dem Erkennen der Mythen, die uns verbinden, und der Zusammenhänge, die uns definieren; dem Erkennen der Vergangenheit, wie sie war, der Gegenwart, wie sie ist, und der Zukunft, wie sie noch sein könnte; vor allem dem Erkennen der Kluft zwischen dem, was unser Wesen verlangt, und dem, was das „Normale“ von uns verlangt hat.

Wir haben das Glück einer einmaligen Chance. Indem wir die toxischen Mythen der Abkoppelung von uns selbst, von anderen und vom Planeten ablegen, können wir das Normale und das Natürliche Stück für Stück näher zusammenbringen. Das ist eine Aufgabe für die Ewigkeit, eine Aufgabe, die die Vergangenheit erlösen, die Gegenwart inspirieren und in eine hellere, gesündere Zukunft weisen kann.
Es ist unsere größte Herausforderung und unsere größte Chance.“
Dr. Gabor Maté

Herausforderungen

Das Foto entstand bei unserem Urlaub in Schweden. Wir sind als Familie 110km gewandert, mit doch recht schwerem Gepäck.  17 kg wog der Rucksack meines Mannes. 15kg der von mir. Puh! Die Kinder hatten auch Rucksäcke – wesentlich leichtere. Dass dieser Urlaub eine Herausforderung werden würde, war uns klar. Wir machten zuhause regelmäßig längere Spaziergänge und an den Wochenenden Wanderungen. Nicht immer waren die Kinder begeistert. Erst als ich ihnen versprach, dass ich nach Schweden sie nie wieder zu einem Spaziergang, zu einer Wanderung „hinmotivieren“ würde, gab es diesbezüglich weniger Diskussionen.
Und dann war es so weit! Wir flogen nach Schweden, übernachteten ein letztes Mal in der Zivilisation in einem Camp, um am nächsten Tag gut ausgeschlafen mit unserer Wanderung zu starten.

Die ersten beiden Tage waren für uns alle sehr anstrengend! Zu wissen, dass noch so viele Kilometer vor uns liegen, der anspruchsvolle Weg, das Gewicht des Gepäcks, all dies machte uns zu schaffen.
„Was hast du uns da nur eingebrockt…“so der etwas vorwurfsvolle Kommentar meines Mannes in meine Richtung. Weiterlesen „Herausforderungen“

Und sie graben immer noch!

Letztes Jahr dachte ich noch, dass unsere Kinder zustimmen, wenn wir im Jahr 2024 – nach satten zwölf Jahren – den Sandkasten abbauen. Wie so oft mit Kindern kommt es anders als gedacht! Die Idee, ein Loch zu graben, ein richtig tiefes Loch, steckt wohl in vielen Kindern. Das Vlies, welches gewissenhafte Eltern bei der sachgerechten Errichtung eines Sandkastens auf die Erde legen, bevor Sand in die Kiste kommt, ist normalerweise ja eine klare Begrenzung.  Rundherum  Holzbalken und die Sache ist klar: hier könnt ihr buddeln, Sandkuchen fabrizieren, Sand sieben und euch verweilen. Nun wissen wir Eltern aber auch, dass Grenzen für Kinder scheinbar auch gerne dazu da sind, um sie etwas auszutesten, auszudehnen. Zu sehen, wie weit könnte es gehen, wenn die Grenze nicht das Ende bedeutet….sondern der Anfang von etwas Neuem? Die Frage, was ist denn unter dem Vlies war bei unseren Kindern schon sehr früh da. Einige Jahre waren wir standhaft:“Nein, das Vlies ist die Grenze. Hier gräbt ihr nicht weiter!“ Weiterlesen „Und sie graben immer noch!“