
Wenn ein Kind zu uns ins Leben kommt sind wir in den ersten Wochen ganz damit beschäftigt, auf die Signale des kleinen Wesens einzugehen. Bei jedem Geräusch, bei jedem Ansatz von Weinen, bei jeder Bewegung, die dieses kleine Bündel macht, stehen wir da, um zu schauen, was es braucht. Hat es Hunger? Hat es eine volle Windel? Möchte es schlafen? Braucht es Nähe?
Mit der Zeit lernen wir die Signale des Kindes besser und besser zu entschlüsseln, zu verstehen – ja, zu lesen. Wir wissen, ob das Weinen bedeutet, dass es Zeit fürs Schlafen ist oder ob die Windel voll ist. Wir wissen, wie das Weinen klingt, wenn wir noch ein wenig damit warten können, das Kind hoch zu nehmen. Wir finden heraus, was dem Kind hilft, damit es sich auch wieder selbst beruhigt – zum Beispiel, in dem wir mit ihm reden oder etwas summen. Und wir wissen, wie das Weinen klingt, wenn es wirklich wichtig ist, alles stehen und liegen zu lassen, um das Kind zu uns zu nehmen.
In diese erste Zeit des Kennenlernens zu investieren lohnt sich. Es ermöglicht uns, angemessen zu reagieren, wir bekommen Sicherheit im Umgang mit unserem Kind und werden beschenkt mit mehr Handlungsspielraum. Weiterlesen „Zwischenraum“




Die Kinder wachsen dahin…sie gestalten ihren Alltag schon so eigenständig, dass die Zeiten, in denen wir was gemeinsam unternehmen, immer weniger werden. Im Familienrat haben wir deshalb auch beschlossen, dass wir zumindest einmal in der Woche alle gemeinsam spazieren gehen. Das tut uns gut. Schon beim Frühstück wird darüber diskutiert, welche Runde wir machen, was für Schuhe bei welchem Wetter gut sind. Ja, das ist eine wichtige Sache – in unserer Gegend gibt es viel Wasser und der Reiz, damit in Kontakt zu kommen ist unendlich groß! Nicht nur in die Pfützen steigen, nein, auch wenn es ordentlich geregnet hat und alles matschig ist, bis auf einen schmalen Pfad, ist es doch viel interessanter, mitten durch die braun-weiche Matschepampe zu waten. Oder, so wie jetzt im Winter, das Eis zu testen…“hält es mich? Oder krache ich ins Wasser hinein?“ Das war letzte Woche spannend und so auch diesen Sonntag. 
Einen ganzen Tag widmeten meine Kollegin Cornelia Schreiber und ich uns gemeinsam mit 19 Teilnehmerinnen dem Thema „Gehen auf der Linie“. Diese „Übung des täglichen Lebens“ von Maria Montessori entstand durch ihre Beobachtungen an Kindern, die im Alter von 3-6 Jahren gerne auf Mauern balancieren, um ihren Gang und ihr Gleichgewichtsgefühl zu verfeinern. 



